Die Anforderungen an eine Konzertorgel gehen weit über den gemeinhin für Kirchen üblichen Rahmen hinaus: sie muss den Klangvorstellungen des Frühbarocks, der Zeit Bachs und der Romantik ebenso Rechnung tragen, wie sie zur Darstellung der französischen Orgelsymphonik und zeitgenössischer Werke geeignet sein sollte. Ebenso hat sie als Begleit- und Continuo-Instrument zu dienen; und als Partner großer Simfonieorchester braucht sie Fülle, Farbe und Tragfähigkeit. Aber auch praktisch muss sie sein: als Soloinstrument hat sie den Interpreten sensibel in die Tongestaltung einzubinden, sie soll ihn bei der Handhabung der Vielzahl der klanglichen Möglichkeiten entlasten, und im Zusammenwirken mit dem Orchester ist eine räumlich optimale Integration von Spieler und Klangkörper dringend erforderlich. Die Benennung ihrer Aufgaben verdeutlicht gleichzeitig die konstruktiven und dispositionellen Vorgaben, die für den Bau einer Konzertorgel zu fomulieren sind:
Schleifladen
eine stationäre Spielanlage im Sockel der Orgel sowie ein fahrbarer Spieltisch auf dem Podium für das Zusammenwirken mit dem Orchester
moderne Spielhilfen, vor allem eine Setzeranlage mit ausreichenden Kapazitäten, um die vielfältigen Registermischungen eines Konzerts vorpogrammieren zu können
eine breite Palette von weit mensurierten Prinzipal-, Gedackt- und Flötenstimmen, die vor allem in der Aequallage satte Grundtöne gewährleisten
Streicherstimmen nach deutsch-romantischer Tradition
charakteristische Zungen- und überblasende Flötenstimmen, wie sie Cavaillé-Coll in großen Orgeln der französischen Kathedralen verwendete
ein Pedalwerk, das für Cantus-firmus-Registrierungen sowie zur Gewährleistung eines satten Baßfundaments gleichermaßen gut geeignet ist
ein an Klangfarben reich besetztes, dynamisch differenziert wirksames Schwellwerk
und nicht zuletzt:
ein werkgerechter Aufbau, wobei das Positiv räumlich möglichst engen Kontakt zur Chortribüne und zum Orchesterpodium haben sollte